Tag 24: Der letzte Tag.

Die Überschrift ist vielleicht erschreckend, und das ist auch die Tatsache, dass es vorbei ist. Mein linkes Knie ist jetzt auch malträtiert, und das rechte beginnt nach der Etappe vom Freitag auch wieder zu spinnen. Ich kann momentan nicht mehr wirklich treten, es tut zuminest im linken Knie weh, und das rechte beginnt auch wieder zu schmerzen, da es ja jetzt nicht mehr geschont wird.
Ich habe daher lange überlegt, wie es weitergehen soll, und bin zu dem Entschluss gekommen, dass es unter diesen Umständen keinen Sinn mehr macht, weiter zu fahren, und beende die Tour hiermit offiziell in St James, Missouri.
Die Entscheidung ist mir wirklich nicht leicht gefallen, aber ich denke, es ist richtig so, und ich stehe auch dazu.
Ich bedanke mich bei allen Lesern, und allen Kommentarschreibern, die mich immer Unterstützt haben, ihr habt mich wirklich motiviert, aber es geht einfach nicht mehr weiter so. Ich muss jetzt wohl meine Knie eine Zeit auskurieren, bevor ich wieder ans Radfahren denken werde.

Damit es aber nicht zu fad, und zu traurig ist, habe ich hier die Erlebnisse des letzten Tages:
Tourende also in St James. Nur, hier ist nix. Nächste Stadt, die nach etwas aussieht: Rolla, MO. Wie kommt man dort hin? Es sind ja nur 18 km. Nagut, versuchen wir es über die ehemalige Route 66, aber nach 200 m stelle ich fest, so wird das nix, das tut weh, das machen wir nicht so. Also hab ich im Hotel gefragt, ob wer nach Rolla will, und hab von einem Rezeptionisten einen Ride gekriegt. Also mit dem ganzen Gefährt nach Rolla, wo Samstag abend ein Bus nach St Louis gehen soll. Dort möchte ich ein Auto mieten, und mein ganzes Zeug nach St Louis bringen. Nur, es kommt kein Bus. 20.05 sollte er da sein, es wird 20.35, 21.05, 21.35, und er kommt nicht daher. Der Bus in die Gegenrichtung kommt mit 1:30h Verspätung, also warte ich weiter. Um 23.00 ist es mir zu blöd, und ich gehe ins Motel, weil es mir einfach zu Spät wird. Das Motel ist übrigens das mieseste der ganzen Reise. Sehr laut, und die Klimaanlage kann man nicht abdrehen. Mein Tipp: Das Days Inn in Rolla sollte man meiden, wenn es geht. Der nächste Bus geht am Samstag um 8:55. Da ich nicht schlafen kann, bin ich schon um 4 wach, und mache das Rad fertig. Um 7 fahre ich in ein anderes Motel, und checke dort ein. Dann geht es zum Bus. Lustig bei Greyhoundbussen ist, dass es zwar in fast jedem Kuhdorf eine Haltestelle gibt, aber Tickets kriegt man nicht überall. Und im Bus eigentlich auch nicht. Ich überrede die Fahrerin mit ein paar Dollarscheinen, dass ich trotzdem nach St Louis mitfahren darf, und bin glücklich, dass es weg aus Rolla geht. Im Bus gibt es sogar WLAN! In St Louis gehe ich meinem Plan weiter nach. Ich mache bei United einen Karton für das Fahrrad klar, und organisiere einen Flug. Morgen von St Louis nach Washington DC und von dort weiter nach Wien. Das Rad kommt mit, ist alles kein Problem. Da ja der Kalifornienurlaub nicht gestrichen ist, ist es übrigens ein Flug St Louis – Wien – San Francisco. Dann geht es zur Autovermietung, ein Auto für den Gepäcktransport finden. Ich kriege einen SUV, wo der Radkarton hineinpassen sollte, und fahre etwas übermüdet, aber zufrieden nach Rolla zurück. Dort wird gepackt, letzte Souvenirs besorgt, und nun eben auch dieser Artikel geschrieben.
Einen Tag nach der Entscheidung, die Tour zu beenden bin ich doch recht erleichtert, dass es vorbei ist. Die letzten Tage waren schon eine Schinderei, und ich hatte keine Freude mehr am Fahren, sondern habe mich nur noch aufs Rad gequält. Dazu jetzt die Knie, das war genug. Ich bin froh, dass ich diese Tour machen konnte, aber ich bin froh, dass es jetzt vorbei ist.
Ich hoffe, ihr hattet euren Spaß an diesem Weblog, und bedanke mich abermals für eure Teilnahme. Morgen um diese Zeit sitze ich schon im Flugzeug nach Wien, und somit ist das hier wohl mein letzter Eintrag hier.

Danke!

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Tag 22: Farmington, MO – St James, MO

Elevation Profile

Link zur Gesamtübersicht bis Tag 22

Heute in der Früh: Kaiserwetter. Etwas kühl, aber wolkenloser, sonniger Himmel. Der Rasttag hat gut getan, aber die Psyche ist noch nicht ganz frisch, und eine schlaflose Nacht haben ihr übriges dazu beigetragen, dass es eher mühsam losgeht. Abfahrt kurz vor 8, die ersten 10 km geht es flach dahin. Bis Potosi kommen nur minimale Steigungen, und eigentlich rollt es recht gut, die Sonne wird immer stärker, und ich kann mich bald von den Ärmlingen befreien. Nach knapp 60 km wird es Zeit für die erste Pause, und danach kommt es irgendwie nicht mehr so recht in die Gänge. Es ist der Wurm drin, die Beine sind wieder leicht gummiartig, und die mittlerweile wieder stark hügelige Topographie tun ihr übriges. Ich bin frustriert, und überlege, wie es weitergehen soll. Die Gedanken ans Aufgeben werden immer klarer, und ich will eigentlich nur noch nach St. James, und dort das Radfahren Radfahren sein lassen. Irgendwann komme ich bei einem kleinen Park neben der Straße vorbei, und lege mich auf eine Picknickbank, und schlafe eine Runde. Ich bin doch noch müde, und auch die anschließende Subway-Jause kann mich nicht wirklich motivieren. Die Hügel hier sind steil, aber kurz. Es erinnert an West-Virginia. Aber da muss ich jetzt durch denke ich mir. Dann spüre ich das linke Knie, das kann ich jetzt aber gar nicht brauchen. Nach langer Fahrt komme ich gegen 17 Uhr in St James, MO an, und kriege ein nettes Zimmer im Days Inn Motel. Ich gehe dann noch Nudeln essen, damit morgen die Kraft wieder da ist, und werde jetzt noch eine Runde in den Pool gehen, und früh schlafen gehen, damit ich das Schlafdefizit wieder aufhole. Morgen ist die Topographie vermutlich so wie heute, vielleicht nicht ganz so extrem, und ab übermorgen dürfte es deutlich flacher werden.
Achja: Aufgeben tut man einen Brief, und daher geht es natürlich weiter, wenn ich auch schon Rückfluge gecheckt habe, falls es gar nicht geht. Aber bei der Lufthansa auf der Homepage ist ein Foto von Monument Valley, und da muss ich umbedingt hin. Also wird weitergeradelt!
Die hiesige Landschaft erinnert mich übrigens ziemlich stark an das Bayrische Mittelgebirge. Zum Motorradfahren ist es hier ein Traum. Aber ich sehe wenig Motorräder, sondern sehr viele, etwas seltsame Trikes. Die dürften Spider oder so heißen, jedenfalls treten die hier zu hauf auf, und auch der Motelparkplatz ist voll von denen. Manche sind da sogar mit Anhänger unterwegs, für mich wär das nichts, ich bin froh über meine Bandit!
Achja, was ich vergaß: Dort wo ich heute nächtige verlief die berühmte Route 66. Gibt es natürlich nicht mehr wirklich, aber ein Schild habe ich gesehen, vielleicht geht sich morgen ein Foto aus!

Hier noch die Daten des heutigen Fahrtages:

Tagesentfernung: 126,03 km
Tour Gesamt: 2151,99 km
Fahrzeit(netto): 7:05:09
Fahrzeit(brutto): 9:17:40
Durchschnittsgeschwindigkeit: 17,78 km/h
Höchstgeschwindigkeit: 61,38 km/h

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Tag 21: Rasttag in Farmington, MO

Heute war wieder einmal ausruhen angesagt. Und das war auch bitter nötig, denn gestern habe ich am Nachmittag fast 3 Stunden geschlafen wie ein Stein, und bin am Abend nur aufgestanden, um was zu Essen und um den Weblogartikel zu schreiben. Heute bin ich zwar auch eher früh aufgewacht, aber nach dem Frühstück, dass ich heute einmal genießen konnte, habe ich noch einmal 2 Stunden geschlafen, und ein Mittagsschlaf war auch noch drinnen. Ansonsten habe ich den Tag genossen, war im Whirlpool, habe die Fahrradreifen aufgepumpt, und bekanntschaft mit der Hotelmanagerin, Monika, einer gebürtigen deutschen gemacht. Sie hat mir für die Routenplanung der nächsten Tage sehr viel geholfen, mit Tipps wo es schön ist, wie die Topographie ausschaut, und einer Karte von Missouri. Dafür möchte ich mir wirklich herzlich bedanken, und es ist auch immer wieder nett, wenn man abseits der Heimat auch etwas deutsch reden kann. Jetzt kommen noch ca. 2 Tage Hügelland, dann sollte es für viele Kilometer sehr flach werden. Ich befinde mich jetzt auch wieder auf der Route, die ich ursprünglich geplant hatte, und werde diese auch bis Kayenta in Arizona durchfahren, da jetzt langsam das Straßennetz dünner wird.
Dann war ich heute noch bei Walmart, wo ich das eine oder andere Bild gemacht habe. Das erste Bild ist eine interessante Erfindung, ein Tropfschutz für Eisstanitzeln bzw. Eisschlecker. Und die Griller sind hier auch etwas größer als in der Heimat. Und Rasenmähertraktoren gibt es auch schon ganz klein.
Damit es nicht zu fad wird, hier noch zwei Dinge aus der Fernsehwelt:
1. Gibt es hier Werbung für Viagra. OK, warum auch nicht, aber lustig ist, dass auf etwas 30 Sekunden Werbespot etwa 1 Minute Hinweise auf Nebenwirkungen kommen.
2. Den Weather Channel kennt man ja aus meinen Anekdoten schon. Nun, morgen ist ja Royal Wedding in London, und der Weather Channel bringt dazu eine Sondersendung. Nichts besonderes, machen ja alle. ABER: Der Weather Channel berichtet über das Wetter während der Trauung! Allerdings ist das um 3 Uhr in der Früh, und ich denke nicht, dass ich dafür aufstehen werden.
Ansonsten geht es morgen hoffentlich wieder in alter Frische weiter, das Wetter ist schön angesagt, aber angesichts der Topographie habe ich eine Etappe von ca. 130 km geplant. Ich wollte heute eigentlich etwas mehr schreiben, aber trotz Rasttag ist die Zeit etwas knapp geworden, mit den ganzen Aktivitäten, ich werde mir Mühe geben, bei Gelegenheit alles zu bringen, was mir noch am Herzen liegt!

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