Tag 5: State College, PA – Altoona, PA

Elevation Profile

Es ist vermutlich schon aufgefallen, aber die Landkarten mit den Strecken schauen anders aus. Ich bin auf ein anderes System umgestiegen, welches auch die Darstellung von Höhenprofilen erlaubt. Es ist mitunter etwas langsam, aber ich weiß nicht, ob das am Plugin, an Google maps oder an meinem lieben Webhoster liegt. Bitte einfach etwas Geduld haben, ich denke, es schaut deutlich besser aus als die alten Karten. Der Webhosterwechsel zu IPAX ist auch schon im werden, also hoffe ich mal, dass in den nächsten Tagen die Qualität der Seite noch zunehmen wird.

Radfahrtechnisch war heute wieder ein sehr schlechter Tag. Begonnen hat es in State College mit Regenwetter. Die Landschaft war relativ unverändert zu gestern, allerdings waren wieder diese langgezogenen Steigungen mit überlagertem Wellenprofil, die ziemlich mühsam sind. Mathematisch interessierte können sich das ganze so vorstellen: h(x) = x+sin(x). Diese Topographie täuscht auch das Auge gewaltig, denn es hört eine starke Steigung auf, und es sieht so aus, als ob es jetzt abwärts ginge, aber es bleibt eben, bis es halt wieder stärker bergauf geht. Dem Höhenmesser entgeht das zum Glück nicht. Durch das Regenwetter war die Motivation heute ohnehin nicht so gut, und dann kamen dazu noch Knieschmerzen, die immer stärker wurden. Als die Schmerzen dann doch erheblich waren, beschloss ich, das ursprüngliche Ziel, Johnstown, PA, nicht anzufahren, sondern Altoona, PA anzusteuern. Die Fahrgeschwindigkeit war extrem gering, und obwohl Rückenwind war, ging es mit dem Knie nicht wirklich schnell dahin. Die Highlights auf der Strecke waren einerseits ein Pferdebuggy, gelenkt von einer älteren Amischen, und ein amischer Zimmermann, der ganze Geräteschuppen verkauft. Die baut er aber mit Hilfe einer Benzinkettensäge, ich habs genau gesehen und gehört.

Nachdem ich in Altoona im Hotel eingecheckt war (Das Fahrrad durfte mit aufs Zimmer, ich frage immer artig, wo ich es unterstellen darf, und meist kommt auf ein Staunen des Hotelpersonals das Angebot es mit aufs Zimmer zu nehmen), und nach einer warmen Dusche war wegen dem Knie guter Rat teuer. Schließlich entschied ich mich, einen Arzt aufzusuchen, obwohl ich das ja eigentlich vermeiden wollte. Also auf zur Rezeption, und nach einem Arzt, vorzugsweise einem Orthopäden, gefragt. Die erste Gegenfrage: „Do you have health insurance?“. Natürlich, aber nicht so wirklich. Naja, egal, ich werde an das Altoona Hospital verwiesen. Wie komme ich hin? Ach, ich habe kein Auto fragt der Rezeptionist, nun, dann ruft er mir ein Taxi. Nach ca. 30 Minuten kommt endlich das Taxi. Ich muss jetzt sagen, ich fahre in Österreich nicht oft Taxi, aber so ein Taxi, hab ich in Österreich noch NIE gesehen. Nur in Nicaragua. Alt, mit zerissenen Sitzbänken, die Bremsen flattern so dass es das ganze Auto durchrüttelt. Offenbar gibt es hier keine §57a
Untersuchungen, und offenbar sind Taxis hier auch eher unüblich, weil eh jeder mindestens ein Auto hat. Nach etwa 15 Minuten Fahrt war ich dann im Krankenhaus (Taxifahrt 8$), und habe mich dort bei einem Infoschalter artig vorgestellt. Dass ich aus Österreich wäre, und keine US Krankenversicherung habe. Antwort: „Don’t be afraid, we don’t send away the people!“ Also ging es in ein großes Wartezimmer, mit Aufnahmedame, so wie im Fernsehen bekannt. Damit es leichter ist, gebe ich meinen Pass her, damit ich nicht immer Buchstabieren muss, und beschreibe mein Problem. Lustigerweise kriegt jeder Patient, egal mit welchem Wehwehchen er erscheint ein Armband mit den persönlichen Daten. Und bei jeder Station die man durchläuft wird überprüft, ob man auch wirklich der ist. Zuerst eine Anamnese von einer Krankenschwester, super Sache, wenn man die englischen Medizinbegriffe nicht so drauf hat. Dann Untersuchung von einer Ärztin, und ja, das Gewand im Krankenhaus erinnerte sehr an Scrubs! Eine Assistentin war lustig, nach dem ganzen Gespräch sagte sie, „You sound more like an Austrian than like an Australian“. Was für eine Überraschung aber auch. Danach war Röntgen angesagt, zwischendurch Datenaufnahme für die Rechnung. Keine Barzahlung, Rechnung kommt per Post. Nach Österreich. Klingt lustig, ist aber so. Ich habe die Adresse selber schreiben dürfen WEIL:

1. Bei uns die Hausnummern hinter dem Straßennamen sind.
2. Bis ich Martinstraße buchstabiert habe (In Hotels sage ich immer „Martin St“)
3. Und vor allem das böse Wort: Klosterneuburg (Monastery-Newcastle)
4. Klarmache, dass bei Klosterneuburg kein Staat dabei steht, weil es nur ein Klosterneuburg auf der Welt gibt (Hotels die auf einen Staat bestehen, kriegen ein Klosterneuburg, NO serviert)

dauert es halt. Auch meine Österreichische SV Nummer haben sie jetzt, damit der Amtsschimmel wiehern kann.

Nach dem Röntgen noch ein kurzes Gespräch mit der Ärztin, es ist soweit alles OK, nur das Knie etwas beleidigt. Ich soll weniger Radfahren. Hm denke ich mir, das ist nicht wirklich einfach im Moment. Naja egal, ich entscheide mich, morgen einen Rasttag einzulegen, und kriege dann noch ein Rezept für bunte Pillen.

Amerikanische Rezepte sind übrigens Fälschungssicherer als das hiesige Geld. Auf der Rückseite meiner „Altoona regional prescription“ sind 6 Sicherheitsmerkmale des Rezepts aufgeführt. Zum Beispiel Wasserzeichen, UV-Tinte u.ä. Morgen gehe ich es einlösen, mal schauen wie das geht.

Ich werde also morgen pausieren, um den Knie Schonung zukommen zu lassen, und die nächsten Tage danach eher kürzere Etappen fahren (so um die 100 km), und dann in der zweiten Hälfte der Tour, wenn die Topographie flacher ist, etwas zulegen.

Es tut mir leid, dass heute nur so wenig Bilder zu sehen sind, aber wegen des Regens war die Kamera nicht im Trikot sondern in der Lenkertasche, und im Krankenhaus hatte ich sie nicht mit.

Hier noch die Daten des heutigen Fahrtages:

Tagesentfernung: 70,66 km
Tour Gesamt: 531,38 km
Fahrzeit(netto): 4:43:50
Fahrzeit(brutto): 6:25:38
Durchschnittsgeschwindigkeit: 14,93 km/h
Höchstgeschwindigkeit: 60,2 km/h

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