Tag 16: Paoli, IN – Jasper, IN

Elevation Profile

Heute war ein sehr schlechter Tag. In der Nacht hat es ständig gedonnert, und die Wettervorhersage war auch schlecht, es sind nämlich für das ganze Wochenende schwere Gewitter angesagt. In den USA gibt es momentan einen Streifen, der von Ostkansas bis etwa West Virginia reicht, in dem ziemlich die Post abgeht, also Gewitter, Starkregen, Stürme und so weiter. Was an der Sache fatal ist: 1. kann man sagen, dass die nächsten 800 km meiner Reise genau in diesem Gebiet liegen, und 2. die Schlechtwetterfront momentan steht. Es ist daher in den nächsten Tagen nicht mit Wetterbesserung zu rechnen, und da ist, v.a. was die Gewitter angeht nicht sehr angenehm. Daher war in der Früh kurz die Überlegung da, ein Mietauto zu nehmen, und aus der Schlechtwetterzone zu fahren, entweder nach Süden, oder nach Westen. Aber als der Regen gegen 8 Uhr aufhörte, und der Himmel im Westen heller wurde, hab ich mir gedacht, dass ich versuchen möchte, so weit wie möglich ohne KFZ zu kommen, und wenn die Zeit zu kurz sein sollte, dann fahre ich am Ende, aber sicher nicht im ersten Drittel der Tour.
Etwa 1 Stunde war es zwar stark bewölkt und düster, dann begann leichter Regen, und etwa 10 km hinter mir waren Gewitter zu vernehmen. Diese waren aber nicht so beängstigend wie gestern, wobei es hier sicher auch eine Rolle gespielt hat, dass ich nicht in einer weiten Ebene, sondern in einer leichten Hügellandschaft war. Überhaupt war es heute nicht so flach wie gestern Nachmittag, sondern doch ziemlich hügelig.
Nach etwa 35 km Fahrt begann dann ein ziemlich starker Regen, und als ich in Jasper, IN ankam, war ich schon ziemlich eingewaschelt. Jasper ist übrigens ziemlich deutsch angehaucht, hier gibt es Straßennamen wie „Hanover Strasse“, eine große katholische Kirche, und viele Namen deuten auf eine große deutsche Einwanderergemeinde hin. Da schon mittag war, und ich etwas hungrig war, fiel mir natürlich das „Schnitzelbank“ Restaurant auf. Ich war eh schon nass, und richtig Spaß machte es auch nicht mehr, also rein zum Aufwärmen in dieses deutsche Folklorerestaurant. Die Karte war recht witzig, englisch etwas deutsch angehaucht, aber grammatikalischer Topfen. Ich entschied mich für ein „Schweins Wiener Schnitzel“, wobei man dazu sagen muss, dass hier eine Erdäpfelbeilage und eine Gemüsebeilage dabei ist. Ich hab „german fries“ (Rösterdäpfel) und Sauerkraut dazu gekriegt. Warum auch immer Sauerkraut, aber die andere Beilage waren irgendwelche gedünsteten Gemüsedinger, also auch nicht besser. Trinken war dann schon besser: Franziskaner Hefeweizen, dunkel, vom Fass. Juhu, aber zuerst ID herzeigen. Klaro, kein Problem, wenn wir schon in einem deutschen Lokal sind, dann kriegen sie den österreichischen Führerschein. Da suchen sie immer das Geburtsdatum, ist schon verwirrend, wenn einmal 2009 und einmal 1982 drauf stehen.
Nach dem, zugegebenermaßen sehr gutem, Schnitzel sollte es noch etwa 9 km weitergehen, da dort das letzte Motel für etwa 70 km ist. Aber draußen ging gerade die Welt wieder einmal unter. Es hat Frösche geregnet, und dazu ein Blitz und Donner, als ob der Leibhaftige die Osterauferstehung verhindern möchte. Also kurzentschlossen das nächstbeste Motel angesteuert, und trockenlegen.
Die Radkleidung von gestern ist z.T. noch richtig feucht, und von heute sowieso. Ich nutzte die Gelegenheit gleich wieder zum Waschen, jetzt habe ich wieder saubere, trockene Kleidung, die sicher morgen wieder nass ist. Das Fahrrad werde ich jetzt auch noch ein bisschen Pflegen, denn die vielen Regentage tun der Schaltung nicht besonders gut, manchmal gehen die Gänge leicht verzögert rein, und manchmal gibt die Kette Geräusche von sich. Ansonsten ist das Rad sehr pflegeleicht, jeden Tag ein bisschen Öl auf Kette und Schaltung, einmal bis jetzt die Bremsen nachgestellt, aber sonst absolut keine Probleme.
Ein Nachtrag noch zum gewandtrocknen: die Schuhe sind ja von gestern und heute ziemlich durchnässt. Also mit Zeitung ausgestopft, und nach etwa 2h mit dem Fön auf kleiner Stufe durchgetrocknet. Jetzt ist fast alles trocken, bis auf das Regengewand, aber das trocknet eh sehr schnell.
Wie geht es nun weiter? Ich hoffe, dass ich morgen fahren kann. Das nächste realistische Ziel ist etwa 60 km entfernt, und ich werde den Wetterbericht verfolgen, ob 3h „Schönwetterfenster“ vorhanden sind. Wenn nicht, dann muss ich mir überlegen, was ich tu, aber ich denke, einem Zwangsrasttag kann ich nicht entkommen. Aber auf Teufel komm raus bei diesen Gewittern hier zu fahren, das macht echt keinen Spaß, und ich will ja lebend am Pazifik ankommen. Das sind übrigens schon die reduzierten Ansprüche: Der Pazifik muss es werden, die Golden Gate Bridge soll es werden, aber die Wetterberichte für Colorado, Arizona und Kalifornien machen mir Hoffnung, dass dort ein paar sehr starke Etappen kommen können. Dem Plan hinke ich ja momentan bedingt durch Knie und Schlechtwetter 4 Tage hinterher, 9 Tage habe ich Reserve eingeplant, also ist momentan noch alles im grünen Bereich!

PS: Ich lese gerade auf orf.at, dass es in Missouri schwere Wetterschäden gibt. Wo glaubt ihr, will ich hin….

PPS:
So, ich komme gerade aus der „Schnitzelbank“ Bar zurück, wo ich mir das eine oder andere Franziskaner Hefeweizen gegönnt habe. Dabei bin ich auf ein Sauflied gestoßen, dass die Amerikaner offenbar gerne grölen, wenn sie „deutsch“ feiern wollen. Sehr skurril, sehr komisch, aber ich denke, youtube wird hier genug aufklärung liefern. Ein weiteres skurriles Kapitel der deutsch-amerikanischen Freundschaft…

Live gesungen:
httpv://www.youtube.com/watch?v=AfjtChcuVOQ

Eine Erklärung des Liedes für die, die es nicht verstanden haben, man beachte bitte die Betonung und die korrekte Aussprache der Wörter!
httpv://www.youtube.com/watch?v=nm-TSuStWsU&feature=related

Hier noch die Daten des heutigen Fahrtages:

Tagesentfernung: 57,43 km
Tour Gesamt: 1586,21 km
Fahrzeit(netto): 3:06:57
Fahrzeit(brutto): 4:43:04
Durchschnittsgeschwindigkeit: 18,43 km/h
Höchstgeschwindigkeit: 49,35 km/h

Schreibe einen Kommentar