Nordkapp 2002

27.6.2002-21.8.2002


Diese Tour bin ich am Tandem mit meinem Vater gefahren, und im Sommer 2002 sollte es eine ganz große Tour fahren. Die Vorbereitung dafür fing bereits im Winter an, und zwar mit der Suche nach geeignetem Kartenmaterial (Google Maps gab es damals noch nicht), der groben Streckenplanung und dem Buchen der Nordseefähren von Kiel nach Oslo und von Helsinki nach Travemünde bei Lübeck. Das Frühjahr wurde mehr oder weniger fleißig trainiert, jedenfalls hatten wir bis zum Tag der Abfahrt am 27.6.2002 etwa 1800 gemeinsame Trainingskilometer.

Am 27.6. ging es dann um 14.00 Uhr los in Richtung Tschechien. An diesem ersten Tag kamen wir bis Zwettl (120 km). Am nächsten Tag begrüßte uns der neue Tag gleich mit einem kräftigen Regenguss, und wir pedalierten durch den Regen über Gmünd und Ceske Budejovice an die Moldau. Dort ging es dann noch bis Tyn/Moldau wo die 2. Etappe endete (127 km). Die nächsten Tage ging es entlang der Moldau und Elbe durch Tschechien, bis wir am 1. Juli die Deutsche Grenze bei Bad Schandau erreichten. Nun fuhren wir entlang der Elbe bis nach Lauenburg, welches ca. 40 km von Hamburg entfernt liegt, wobei man erwähnen muss dass die Elbe ein ausgezeichnetes Radgebiet ist. Es gibt fast überall Übernachtungsmöglichkeiten, und der Flussradweg ist schön ausgeschildert und hat fast keine Steigungen.

Viele Leute fragen immer wie wir übernachtet haben, nun, wir hatten ein Zelt mit. Aber wir haben es nie verwendet. In Österreich, Tschechien und Deutschland gibt es so gut wie überall Pensionen oder Gasthäuser. In Norwegen und Finnland war das nicht mehr so einfach, dort wollten wir im Zelt übernachten, aber glücklicherweise gibt es auf den Skandinavischen Campingplätzen sogenannte „Hytter“ (Nor) oder „Mökkis“ (Fin). Das sind im Prinzip Gartenhütten mit Heizung (Wichtig zum Trocknen von Regennasser Kleidung), Betten, Kühlschrank und eine Kochgelegenheit.

Nachdem wir bei Lauenburg die Elbe verlassen hatten fuhren wir entlang von Landstraßen bis nach Kiel wo wir auf die Fähre nach Oslo warteten. In Kiel kamen wir am 6. Juli nach 8 Fahrtagen an, wobei es 1266 km bis nach Kiel sind. Nachdem wir zu früh in Kiel waren, konnten wir noch 2 Rasttage dort verbringen. Rasttage sind auf einer Radtour ausgesprochen wichtig, damit man nicht völlig die Lust und vor allem die Ausdauer verliert. Meistens haben wir den 3:1 Rhythmus (3 Tage radeln, 1 Tag rasten) eingehalten, wobei man von 1:1 (bei Schlechtwetter) und 7:0 (in der letzten Woche mit dem Ziel ganz nah…) variieren kann.

Mit der „M/S Kronprins Harald“ ging es nach Oslo, wo uns am 9. Juli Norwegen gleich mit typisch Norwegischem Wetter empfing: Regen, Nebel und Tiefe Temperaturen. Doch wir waren Kleidungsmäßig gerüstet, wobei sich die Norwegen Tour vom Jahr 2001 auszahlte. Nach Oslo ging es dann bei ca. 15° und Nieselregen über den sogenannten „Heggeliveien“, ein absolut grauenhaft zu beradelnder Staubwanderweg, der auf keine Landkarte eingezeichnet ist. Nach dem Heggeliveien ging es entlang eines 100 km langen Sees bis zum Etappenziel „Dokka“. Wie es das Schicksal so wollte, platzte 15 km vor dem Ziel ein Reifen, und 10 Minuten vor dem Ziel begann es so zu schütten, dass man keine 10 Meter weit sehen konnte.

Die Reifen, das ist auch immer eine Frage die immer gestellt wird, gibt es spezielle Tandemreifen? Nein, die gibt es leider nicht. Man muss ganz normale 26×1.9 Mäntel verwenden, welche das hohe Gewicht allerdings nicht immer verkraften. Beding durch das hohe Gewicht gibt es sehr starke Walkkräfte, und der Reifen reißt über dem Draht auf. Insgesamt sind uns 5 (!) Mäntel so gerissen. Tragisch ist das an sich nicht, aber im hohen Norden gibt es kaum Ersatz, also waren immer 1-2 Mäntel am Gepäckträger zu finden.

Die Route durch Norwegen ging entlang von Landstraßen bis nach Trondheim, und von dort entlang der E6 bis nach Bodö. Von Bodö ging es per Schiff („Hurtigrute“) auf die Lofoten. Von dieser wunderschönen Inselgruppe ging es immer weiter nach Norden, es wurde immer kälter und vor allem blieb es rund um die Uhr hell, bis wir am 23.7 in Alta die Mitternachtssonne bewundern konnten. Von Alta waren es nur noch 220 km bis ans Nordkapp, und am 26.7 sollte das Nordkapp erreicht werden. ABER: so einfach war das nicht. Als ob die 3150 km bis dahin nicht schon schwer genug gewesen waren, nein, das Kap hat es uns noch extra schwer gemacht. Es gab kräftigen Gegenwind, ca. 50 km. Dann kamen wir zum Nordkapp-Tunnel, welcher auf die Insel Mageröy führt, auf der das Nordkapp liegt. Dieser Tunnel ist 7 km lang und geht 200 Meter unter dem Meer durch. Die Durchfahrt läuft folgendermaßen ab: Man sieht einen kleinen, schwarzes Tunneleingang und denkt nichts böses. Dann fährt man hinein: es geht bergab mit ca. 10% Gefälle. Gut. Es geht immer noch bergab. Hm. Es geht schon 3 Minuten bergab. Verdammt! Schließlich ist man in einem kalten, dunklem und Feuchten Stollen 200 Meter unter dem Meer. Nun fährt man einen Kilometer eben, und dann beginnt eine 3 km lange Steigung. Verdammt! Der einzige Vorteil ist, dass einem die arktischen Temperaturen außerhalb des Tunnels sommerlich warm vorkommen. Manchmal steht im Tunnel sogar der Nebel… Es waren also „nur“ noch 30 km bis ans Ziel, aber die hatten es in sich: Es ging von Meereshöhe auf 300 Meter hinauf bei kräftigem Gegenwind, dann wieder auf fast Meeresniveau herab, und dann kam ein Schlussanstieg auf noch einmal 300 Meter. Oben am Hochplateau angekommen war dann wieder kräftiger Gegenwind, so dass man mit nur 15 km/h fahren konnte. Es war schlicht gesagt einfach or***. Aber dann kam es: Das Nordkapp!! Endlich da! Dass man nichts sah weil der Nebel so dicht war, war egal. Wir hatten nicht einmal ein Monat gebraucht, denn es war der 26.7 und am 27.6 war Abfahrt in Klosterneuburg.

Vom Nordkapp musste man aber auch wieder nach Österreich kommen, und das natürlich mit dem Rad. Doch die Retourroute war über Finnland. Es ging vom Nordkapp an den Inarisee, nach Rovaniemi, Oulu, Helsinki. Alles entlang von Landstraßen. Nach Helsinki fuhren wir am 9.8, kamen jedoch erst am 10.8 um 1.30 dort an, da wir 1. keinen Stadtplan von Helsinki hatten, und das Zentrum nicht fanden und 2. wir an diesem Tag 240 km gefahren sind. In Helsinki waren wir dann 4 Tage und warteten auf das Schiff nach Travemünde.

Am 15.8 verließen wir um 7.00 die M/S Finntrader und radelten in Travemünde los. Die Rückfahrt durch Deutschland sollte so schnell wie möglich gehen, da wir beide endlich wieder nach Hause wollten. Es ging zur Elbe, entlang der Elbe bis nach Wittenberge (nicht die Lutherstadt Wittenberg!), wo wir bedauerlicherweise vom Fluss wegfuhren, da die weitere Route vom Hochwasser bedroht war. Schließlich kamen wir ins Saaletal, und fuhren die Saale bis zum Quelle entlang. Dann überquerten wir das Fichtelgebirge, und stießen bei Regensburg an die Donau, welcher wir bis Klosterneuburg folgten. Am 21.8. um 18.23 kamen wir dann zu Hause an. In einer Woche waren wir von Travemünde nach Klosterneuburg geradelt, das war eine 1285 km Woche.

Insgesamt waren wir 8 Wochen unterwegs, wobei an 39 Tagen geradelt wurde. An den anderen Tagen wurde nicht geradelt. Die gesamte Tour war 6223 km und 291 Stunden lang.

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